Die Internationale Astronomische Union hat einen Kleinplaneten nach einem ehemaligen Wissenschaftler der Thüringer Landessternwarte benannt. Dr. David Alexander Kann hatte den kleinen Himmelskörper mit dem 2-Meter-Alfred-Jensch-Teleskop bei routinemäßigen Beobachtungen entdeckt.
Die Arbeitsgruppe "Small Bodies Nomenclature" (SBN) vergibt im Auftrag der Internationalen Astronomischen Union Namen für neu entdeckte Kleinplaneten. Die Namen werden in regelmäßigen Mitteilungen der Arbeitsgruppe (Working Group) veröffentlicht. In der ersten Ausgabe 2026 des Bulletins WGSBN (Working Group Small Bodies Nomenclature), erschienen am 9. Januar 2026, wird unter anderen der ehemalige TLS-Wissenschaftler Dr. David Alexander Kann geehrt. Nach ihm ist nun der Minor Planet (Kleinplanet) mit der Nummer 635817 benannt.
Kann ist bereits der fünfte Wissenschaftler der Thüringer Landessternwarte, nach dem ein Kleinplanet benannt wurde. Die anderen sind Richter (Nummer 3338), Börngen (3859), Solf (9872) und Stecklum (69295). Neben den Bahn-Parametern gibt es über das Objekt "Alexanderkann" selbst bislang wenig Informationen. Die Größenabschätzung seines Durchmessers aus der Helligkeit und einer typischen Albedo (Fachbegriff für das Rückstrahlvermögen) beträgt rund einen Kilometer. Das Minor Planet Center der International Astronomical Union pflegt die Datenbank der Kleinplaneten. Zusätzliche Beobachtungen an anderen Sternwarten ermöglichten es dem Minor Planet Center, die Umlaufbahn des von Kann entdeckten Kleinplaneten zu berechnen.
Kann hatte den Kleinplaneten zufällig entdeckt
Die Entdeckung des Kleinplaneten liegt bereits 20 Jahre zurück. Kann fand den Himmelskörper im Dezember 2006, als er mit dem 2-Meter-Teleskop der Sternwarte Nachfolgebeobachtungen von Gamma Ray Bursts durchführte. Gammastrahlenausbrüche (GRB, Gamma Ray Bursts) sind kurzlebige Ausbrüche von Gammastrahlen. Mit einer Dauer von einigen Millisekunden bis zu mehreren Minuten leuchten GRB hundertmal heller als eine typische Supernova. Wenn ein GRB ausbricht, ist er kurzzeitig die hellste Quelle kosmischer Gammastrahlen im beobachtbaren Universum.
Dr. Sylvio Klose, Wissenschaftler an der TLS, war damals der Betreuer von Kanns Doktorarbeit. In seinem Auftrag führte Kann die Beobachtungen durch. "Die Entdeckung des Kleinplaneten ist dem Enthusiasmus von Alex Kann geschuldet. Während einer kurzen Pause in unserer damaligen Beobachtungs-Kampagne hat er unser Teleskop auf eine andere interessante Stelle am Himmel gerichtet – und dabei den Kleinplaneten entdeckt", erinnert sich Klose.
Kann erblickte den Himmelskörper erstmals am 15. Dezember 2006, als er mit dem 2-Meter-Teleskop der Thüringer Landessternwarte (TLS) Folgebeobachtungen von Gamma Ray Bursts durchführte.Kann hatte mit dem 2-Meter-Universalteleskop im Schmidt-Modus drei Aufnahmen gemacht, auf denen er das Objekt identifizierte. Auf der Abbildung links sind diese drei Aufnahmen in einer Farbdarstellung (rot, grün und blau) überlagert. Die Sterne erscheinen weiß, da sie an derselben Position in den Bildern bleiben. Der Kleinplanet (das mehrfarbige Objekt) hingegen bewegte sich von Südosten nach Nordwesten. Wegen seiner geringen Helligkeit ist der Kontrast des Bildes hoch, um ihn besser sichtbar zu machen. Deshalb ist auf dem Bild Rauschen (Unschärfe) zu sehen.
Kleinplaneten werden in Tautenburg seit langem aufgespürt
Die Thüringer Landessternwarte hat eine lange Tradition beim Aufspüren von Kleinplaneten. Freimut Börngen, Wissenschaftler am Karl-Schwarzschild-Observatorium (so heißt die Sternwarte seit ihrer Gründung im Jahr 1960), hatte sich in den 1970er-Jahren auf das Auffinden dieser kleinen Himmelskörper, die um die Sonne kreisen, spezialisiert. Er durfte die von ihm entdeckten Kleinplaneten benennen. Deshalb kreist heute zum Beispiel ein Kleinplanet namens Tautenburg um die Sonne.
Dr. Bringfried Stecklum, Wissenschaftler an der Thüringer Landessternwarte, hat die Beobachtungen von Asteroiden, die Börngen vor rund 50 Jahren begonnen hatte, fortgeführt und erheblich modernisiert. Unter seiner Federführung beteiligt sich die Thüringer Landessternwarte seit 2010 an der Klassifikation und Überwachung von sogenannten Near Earth Objects (erdnahen Objekten). Seit 2019 geschieht dies in Zusammenarbeit mit der Europäischen Raumfahrtbehörde ESA. Mit durchschnittlich 6.000 gemessenen Bahnpositionen pro Jahr ist die TLS mittlerweile eines der produktivsten Observatorien in Europa bei dieser Aktivität.
David Alexander Kann ist 2023 in noch jungen Jahren verstorben. Bringfried Stecklum hatte initiiert, dass der von Kann entdeckte Kleinplanet dessen Namen erhält. Der Kleinplanet mit der Nummer 635817 wird nun immer an David Alexander Kann erinnern.