Ein Foto des Tautenburger Alfred-Jensch-Teleskops ziert den Titel eines jüngst erschienenen Sammelbands zur Astronomie in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR). Die von der Akademischen Verlagsanstalt Leipzig herausgebrachte Sammlung umfasst Studien, Essays und Erinnerungen.
Es ist das erste Mal, dass der astronomischen Forschung in der DDR eine historische Einordnung gewidmet ist. Der Sammelband „Astronomie in der DDR“, herausgegeben von Wolfgang R. Dick und Peter Ackermann, stellt astronomische Forschungseinrichtungen und -standorte der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) und der DDR vor, darunter Potsdam, Jena und Dresden. Ein Verzeichnis der astronomischen Dissertationen gibt einen Überblick über die Forschungsthemen. Einen Einblick in deutsch-deutsche Beziehungen liefert der Aufsatz zur politischen Geschichte der Astronomischen Gesellschaft.
Des Weiteren beschreibt das Buch, das in der Reihe "Acta Historica Astronomiae" (Band 75) erschienen ist, das Leben und Wirken von acht einflussreichen Astronomen, darunter Cuno Hoffmeister und Hans Kienle. Die acht prägenden Persönlichkeiten stehen exemplarisch für verschiedene Entwicklungswege in der DDR. Kienle war an der Entstehung des Karl-Schwarzschild-Observatoriums in Tautenburg mit seinem 2-Meter-Universal-Teleskop maßgeblich beteiligt.
Dr. Michael Sigwarth, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Thüringer Landessternwarte, schrieb als Co-Autor an der Biografie von Wolfgang Mattig mit. Mattig war ein renommierter Sonnenphysiker und Kosmologe am Freiburger Institut für Sonnenphysik (KIS). Er hatte seine Karriere am Einsteinturm im Astrophysikalischen Institut in Potsdam begonnen. Der Einsteinturm war 1961 für die spektroskopische Untersuchung der Sonne aus wissenschaftlicher Sicht exzellent ausgestattet. Von dort kam er an das damals eher dürftig bestückte Fraunhofer-Institut in Freiburg, dem heutigen Institut für Sonnenphysik. "Im Lauf der Zeit kehrte sich das dann um", sagt Sigwarth und ergänzt: "Viele der Erinnerungen und Biografien geben einen Eindruck davon, unter welchen zum Teil schwierigen technischen und persönlichen Bedingungen tolle Forschung in der DDR stattgefunden hat."
2-Meter-Teleskop in Tautenburg von zentraler Bedeutung
Die Geschichte des Karl-Schwarzschild-Observatoriums (KSO) in Tautenburg (der heutigen Thüringer Landessternwarte) wird im vorliegenden Band nicht gesondert behandelt. Das KSO taucht aber in zahlreichen Beiträgen immer wieder auf, da das Observatorium eine herausgehobene Bedeutung für die Astronomen der DDR hatte. Schließlich war es damals das größte optische Teleskop in Deutschland.
"Acta Historica Astronomiae" ist eine monografische Reihe zur Geschichte der Astronomie, die seit 1998 vom Arbeitskreis Astronomiegeschichte in der Astronomischen Gesellschaft (AG) herausgegeben wird.
Bibliographische Angaben: Wolfgang R. Dick, Peter Ackermann (Herausgeber): Astronomie in der DDR (Acta Historica Astronomiae; Band 75), erschienen in der Akademischen Verlagsanstalt, Leipzig, 2025, ISBN 978-3-944913-67-4
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| Wie wichtig das Karl-Schwarzschild-Observatorium für die Astronomie in der DDR war, zeigt auch diese DDR-Briefmarke. Am 2. Juli 1975 war ihr Ausgabetag. Die Marke war Teil des Briefmarkensatzes "275 Jahre Akademie der Wissenschaften der DDR". |
