Thüringer Landessternwarte Tautenburg   

LOFAR: Radioastronomie im digitalen Zeitalter

Das Low Frequency Array (LOFAR) ist ein neuartiges, europäisches Radioteleskop zur Detektion elektromagnetischer Wellen im Frequenzbereich von 20 - 240 MHz. Zum Vergleich: UKW-Rundfunk sendet von 87 - 108 MHz. Optische Kameras benutzen Linsen und Spiegel, um ein Bild auf dem Film (oder der CCD) zu erzeugen. Bei Lofar hingegen werden all diese Aufgaben von einem Supercomputer übernommen. Als klassische Bauelemente verbleiben nur grosse Antennenfelder, verteilt über ganz Europa, welche die elektromagnetische Strahlung 'aus allen Himmelsrichtungen' gleichzeitig aufnehmen. Der Übergang zu solch einem Softwareteleskop ist erforderlich, da Radioteleskope in klassischer Bauart, d.h. mit grossen Parabolempfängern, kaum größer gebaut werden können. So hat das Arecibo-Teleskop schon einen Durchmesser von 305m.

LOFAR wurde von der niederländischen Astronomischen Gesellschaft (ASTRON) und vier weiteren niederländischen Universitäten initiiert. Da mit LOFAR der Himmel in einem bisher kaum untersuchten Bereich des elektromagnetischen Spektrums studiert werden kann, unterstützen auch andere europäische Forschungseinrichtungen das Projekt, so dass die Zahl der Antennenfelder erheblich vergrößert werden konnte. Damit ist LOFAR zu einer gesamteuropäischen Anstrengung geworden. Eine maßgebliche Beteiligung kommt auch von deutscher Seite. Antennenfelder werden in Effelsberg, Garching, Tautenburg, Potsdam und Jülich errichtet und zehn Institute haben sich zu dem German Long Wavelength Consortium zusammengeschlossen.

An der Thüringer Landessternwarte in Tautenburg wird ein Antennenfeld, gefördert durch die europäische Union, auf dem Gelände des Karl-Schwarzschild Observatoriums errichtet. Es ermöglicht den Wissenschaftlern der Sternwarte zum Beispiel, in ihre Suche nach extrasolaren Planeten oder in die Untersuchung der Entstehung von Sternen auch radioastronomische Himmelsbeobachtungen mit einzubeziehen.

Weitere Informationen:
- LOFAR Homepage
- German Long Wavelength consortium
- LOFAR an der TLS