Mit freundlicher Genehmigung durch die TLZ (Thüringer Landeszeitung).
Erschienen am 16.03.2002.

"Stolte" im Planetengürtel

Wie der ZDF-Intendant auf die Umlaufbahn geriet - Entdecker Freimut Börngen
Von Peter Beutler

Jena/Tautenburg(tlz) Viereinhalb Jahre braucht er, um einmal die Sonne zu umlaufen, zwölf Kilometer ist sein Durchmesser, und er bewegt sich im Planetoidengürtel zwischen Mars und Jupiter: "Planet Stolte". Benannt nach Professor Dieter Stolte, 20 Jahre Intendant beim ZDF, der nun das Zepter weitergereicht hat.

Den kleinen Planeten aber entdeckten Dr. Freimut Börngen aus Isserstedt und der Heidelberger Dr. Lutz Schmadel - der eine war 40 Jahre wissenschaftlich in der Thüringer Landessternwarte Tautenburg tätig, der andere registrierte seine gefundenen Planeten im Astronomischen Rechen-Institut Heidelberg.

 
DR. BOERNGEN   Dr. Freimut Börngen: Mit dem Teleskop hätte er den "Stolte" nie entdecken können. Das reicht nur für den nächtlichen Sternhimmel. Börngen hat Planeten entdeckt, die u.a. den Namen von Otto Dix und Heinrich Schütz tragen.
Foto: Peter Beutler
 
Zwischen der Entdeckung und der Namensgebung eines Planeten liegen "Lichtjahre". "Wir haben den 'Stolte' am 12. Oktober 1990 entdeckt, und er wurde registiert unter 1990 TF13", sagt Freimut Börngen. Knapp zehn Jahre später bekam der Planet im Minor Planet Center (MPC) von Cambridge in den USA die Nummer "11508". Dazu Börngen: "Damit ist der Planet als absolut gesichertes Objekt, dessen Bahn genau bekannt ist, eingetragen gewesen. In Cambridge wird auch festgelegt, wer die Entdecker der jeweiligen Planeten sind."

Die ZDF-Mitarbeiter hatten sich Gedanken gemacht, welches schöne Abschiedsgeschenk sie ihrem Chef machen könnten. Hildegard Werth hatte die glorreiche Idee, einen Stern nach Stolte benennen zu lassen. Die Thüringer Landessternwarte Tautenburg besitzt das größte optische Teleskop in Deutschland. Der Gedanke lag nahe, hier nach einem "freien" Stern anzufragen - es hatte sich gelohnt.

Es sei Tradition, dass Entdecker von kleinen Planeten ihm auch den Namen verleihen dürfen, sagt Astronom Eike Guenther von der Landessternwarte. "Es darf auch kein Politiker sein, es sei denn, er ist 100 Jahre tot und hatte sich hohe Verdienste erworben."

Beim Intendanten a.D. Dieter Stolte zählen die "unpolitischen" Verdienste zu Lebzeiten: Fast 40 Jahre ZDF, davon 20 Intendant. Mit den Sendern arte und Phönix brachte er eine Bereicherung auf den Bildschirm.

Und für Freimut Börngen ist es ein angenehmes Gefühl, dass ein Stück seiner Arbeit zum Tragen kommt. Ganz bescheiden zeichnet er 40 Jahre seiner Arbeit: "Es war für mich immer wieder eine Faszination. Das war ein großes Glück." Etwa 400 kleine Planeten hat er entdeckt, 140 davon mit seinem Heidelberger Kollegen.