Mit freundlicher Genehmigung durch die TLZ (Thüringer Landeszeitung).
Erschienen am 07.12.2001 (Online-Version).

Thüringen angeklickt: Tausende "Kinder" noch ohne Namen

Von Karsten Heuke

(tlz) Tautenburg heißt der Stolz der Thüringer Wissenschaftler. Der Name bezeichnet einen Planetoiden, einen Kleinplaneten von wenigen Kilometern Durchmesser. Tautenburg war der erste Himmelskörper, der vom Thüringer Karl-Schwarzschild-Observatorium aus entdeckt und benannt wurde. Und so etwas ist aufwändiger, als es sich der Laie vorstellt. Erst nach mehrfacher Positionsbestimmung und weltweitem Vergleich mit bereits erfassten Himmelsobjekten erhält, wie in diesem Fall Planetoid Nummer 2424, von den Entdeckern einen echten Namen. Von der ersten Sichtung bis zur verbrieften "Taufe" vergehen so im Durchschnitt rund acht Jahre.

Über diese "himmlische" Fleißarbeit informieren unter http://www.tls-tautenburg.de die Mitarbeiter der Thüringer Landessternwarte (TLS). Die befindet sich etwa zehn Kilometer nordöstlich von Jena in Tautenburg. Hierbei handelt es sich sozusagen um das ganz irdische und bewohnte Planetoiden-Pendant.

Seit 41 Jahren blicken Astronomen von Tautenburg aus in die Sterne. Der Bau der Anlage war ein hartes Stück Arbeit, davon zeugt der detaillierte Baubericht auf der Site. Selbst die damaligen Baukosten sind mit rund 13 Millionen DDR-Mark angegeben. Eigens entwickelt wurde ein 2-Meter-Universalteleskop, mit dem auch Fotoaufnahmen erstellt werden.

Ergebnisse sind online zu betrachten, eine Auswahl aus weit über 9000 Abbildungen. Die Auswertung ist die Hauptarbeit: 3100 bisher unbekannte Planetoiden, synonym Asteroiden, wurden bisher vom Beobachtungspunkt bei Jena entdeckt. Knapp 400 dieser "Kinder" haben von den Thüringer Beobachtern bereits einen endgültigen Namen erhalten. Damit schafft es die TLS auf Platz 16 von 50 Observatorien, die weltweit nach Kleinstplaneten Ausschau halten, die jeweils aktuellste Liste ist online einsehbar.