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BIZARRES SYSTEM

Planet kreist zwischen zwei Sternen

Auch in engen Sternbeziehungen ist offenbar Platz für Planeten: Um die ferne Sonne Gamma Cephei, die einen stellaren Partner besitzt, scheint zusätzlich eine dunkle Riesenwelt zu kreisen.

Planet im System Gamma Cephei (Zeichnung): ''Einzig logische Erklärung''
Tim Jones / McDonald Oberservatory
GroßbildansichtPlanet im System Gamma Cephei (Zeichnung): "Einzig logische Erklärung"
Innen die Sonne, außen die Planeten: In unserem System sind die Verhältnisse denkbar einfach geregelt. Doch es gibt auch Sterne, bei denen die Dinge völlig anders liegen. Astronomen wollen erstmals einen Trabanten entdeckt haben, der seine Runden in einem engen Doppelsternsystem dreht. Den Fund stellte das Team am Mittwoch auf einem Fachkongress der American Astronomical Society in Birmingham im US-Staat Alabama vor.

Die Forscher um den US-Astronomen Artie Hatzes, derzeit Direktor der Thüringer Landessternwarte Tautenburg, und Bill Cochran vom McDonald Observatory der University of Texas hatten das rund 45 Lichtjahre entfernte Doppelsternsystem Gamma Cephei untersucht. Der Hauptstern, der 1,59 Sonnenmassen aufweist, wird von einem zweiten, relativ kleinen Stern umkreist. Wie die Auswertung von Beobachtungsdaten aus 20 Jahren ergab, muss das Zentralgestirn weiter innen noch einen Begleiter besitzen - einen schwergewichtigen Planeten.

Hauptstern, Bahnen von Planet (innen) und Begleitstern: Bizarres Trio
McDonald Observatory
GroßbildansichtHauptstern, Bahnen von Planet (innen) und Begleitstern: Bizarres Trio
Der Trabant ist, so ergaben die Berechnungen, etwa 1,76mal so massiv wie Jupiter und umrundet den Hauptstern in einer Entfernung von rund zwei Astronomischen Einheiten - also dem Doppelten der mittleren Erde-Sonne-Distanz. Der Planet verriet sich durch leichte Schwankungen im Licht von Gamma Cephei, die seit 1988 mit dem Harlan J. Smith Telescope auf dem texanischen Mount Locke verfolgt wurden. Daten aus früherer Zeit lieferte das Canada-France-Hawaii-Teleskop auf dem Mauna Kea.

Die Schwankungen im Sternenlicht, die sich alle 2,5 Jahre wiederholen, hatten einige Astronomen zunächst für ein Pulsen des Hauptsterns gehalten, das durch Prozesse in seinem Innern erzeugt werden könnte. Bei der Langzeitbeobachtung zeigte sich jedoch, dass die Schwankungen höchst stetig abliefen. "Der Stern selbst würde sich nicht über 20 Jahre und acht Zyklen so regelmäßig verändern", sagt Cochran. "Die einzig logische Erklärung dafür ist die Existenz eines Planeten."

  
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Zwar haben Astronomen schon früher Planeten in Doppelsternsystemen nachgewiesen, doch dabei handelte es sich um vergleichsweise lose Bindungen. "Die Sterne waren weit genug voneinander entfernt, um praktisch unabhängig zu agieren", erklärt Cochran. Im Fall von Gamma Cephei umkreist der Zweitstern den Hauptstern jedoch in relativ naher Distanz von 25 bis 30 Astronomischen Einheiten. Das entspricht etwa der Entfernung zwischen unserer Sonne und dem Uranus. Die Sterne liegen so eng beieinander, dass auch starke Teleskope sie nur als einen Lichtpunkt wahrnehmen.

Die Entdeckung des bizarren Trios ist besonders für Schätzungen der Planetenzahl in unserer Galaxis bedeutsam. Wenn auch in engen Doppelsternsystemen wie Gamma Cephei an Jupiter erinnernde Gasriesen existieren können, sollte es insgesamt mehr Trabanten geben als bisher gedacht. Denn in der Milchstraße besitzen die meisten Sterne - anders als unsere vereinzelte Sonne - einen stellaren Begleiter.

  
IM INTERNET
 
·  Thüringer Landessternwarte Tautenburg
·  McDonald Observatory

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Der aktuelle Fund ist das Resultat eines Forschungsprogramms des McDonald Observatory, bei dem seit 1987 rund 180 sonnenähnliche Sterne mit dem 2,7-Meter-Teleskop des Observatoriums überwacht wurden. Seit 2001 ist auch die Thüringer Landessternwarte Tautenburg an der Suche beteiligt. Vor dem Trabanten von Gamma Cephei hatten die Wissenschaftler bereits zwei andere Riesenplaneten entdeckt, die um den 85 Lichtjahre entfernten Stern 16 Cygni B und den nur 10,5 Lichtjahre entfernten Epsilon Eridani kreisen.




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