Mit freundlicher Genehmigung durch die OTZ (Ostthüringer Zeitung).
Erschienen am 16.01.2002 (Online-Version).

Suche nach fernen Welten bei fremden Sternen

Von OTZ-Redakteurin Margit Kasper

Für die Astronomen der Thüringer Landessternwarte Tautenburg hat sich 2001 ein neues Forschungsgebiet aufgetan.

Sie wollen Planeten finden, die Sterne umkreisen, ähnlich der Sonne. "Bisher kann man extrasolare Planeten nur indirekt nachweisen", sagte Direktor Prof. Dr. Artie Hatzes auf OTZ-Anfrage. Mit zwei unterschiedlichen Methoden haben sich jetzt die Tautenburger auf die Suche gemacht: "Kreist ein Planet um einen Stern, so bewegt sich nicht nur der Planet, sondern auch der Stern. Dieses winzige Wackeln des Sterns kann gemessen und somit der Planet indirekt entdeckt werden", erklärte der Astrophysiker. Obwohl diese Messungen sicherlich noch mehrere Jahre fortgesetzt werden müssen, seien schon "einige vielversprechende Beobachtungen gelungen".

Eine weitere Möglichkeit ist, eine Sonnenfinsternis bei einem anderen Stern zu beobachten. Hatzes: "Tritt ein extrasolarer Planet bei seinem Umlauf um den Stern zwischen die Erde und den Stern, so kommt es zu einer Verfinsterung des Sterns. Aus einer Beobachtung einer solchen Finsternis kann auf einen Planeten geschlossen werden." Um das Verfahren zu erproben, wurde in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt extra ein kleines, automatisches Teleskop aufgestellt.

Die Forschungen hat Hatzes sozusagen mit nach Tautenburg gebracht. Er kam vor über einem Jahr vom Mc Donald Observatorium der Universität Texas aus den USA nach Thüringen. Inzwischen widmen die Tautenburger etwa ein Drittel ihrer Beobachtungszeit den Planeten. "Die Frage lautet", so Hatzes, "warum gibt es Planeten, warum gibt es uns?" Den ersten Planeten außerhalb unseres Sonnensystems entdeckten Astronomen 1995, inzwischen sind es fast 80. Hatzes selbst gelang gemeinsam mit anderen Experten bereits dreimal ein solcher Nachweis.

Unter den "Planetenjägern" herrscht fieberhafter Wettbewerb. Auch die Tautenburger haben einige "heiße Stern-Kandidaten". Doch die Koordinaten sind ein streng gehütetes Geheimnis. Im Frühjahr werden die Tautenburger sogar das Hubble-Weltraum-Teleskop für ihre Suche nutzen können.

Nach den Worten Hatzes besteht großes Interesse an der Arbeit der Astronomen. Deshalb könne nun jeweils am 1. Mittwoch im Monat um 16 Uhr (im Winter), beziehungsweise um 17 Uhr (im Sommer) die Sternwarte besichtigt werden.